Arthur Straub

Dreherlehre 1957–1961

Arthur Staub, genannt Turi, geboren 1940, trat nach Schulabschluss in die Firma Saurer ein. Zum gleichen Zeitpunkt wurde sein Vater nach 45 Jahren Arbeit am gleichen Ort pensioniert. Eigentlich hätte Turi am liebsten Tierpfleger gelernt. Doch nein, der Vater meinte, bei Saurer wäre sein Sohn sein Leben lang in sicherer Stellung. „Du kannst gleich in der Fräserei anfangen, als Hilfsarbeiter verdienst du mehr denn als Lehrling“, meinte er. Doch da wehrten sich seine älteren Schwestern: „Kommt nicht in Frage. Auch Turi soll eine Lehre machen dürfen.“

Er begann sein Berufsleben als sog. Laufbursche, bekam somit Einblick in die verschiedenen Bereiche des Betriebs. Erst ein Jahr später begann die 4-jährige Lehre als Dreher. Die Mechanik der Drehbank faszinierte ihn, sehr gerne arbeitete er an Einzelstücken, sogenannten Prototypen. Zwischendurch gab es immer wieder monotone Routinearbeiten. Aus diesem Grund hatten zwei Lehrlinge aus Turis Gruppe die Lehre abgebrochen, weshalb auch Turi in eine Motivationskrise geriet. Doch er hielt durch, nicht zuletzt wegen dem energischen Zuspruch seiner Mutter.

Ein wichtiger Schritt

Im 3. Lehrjahr bekam er die Chance, innerhalb der Firma den Führerschein für Lastwagen zu erwerben. Saurer hatte damals einen grossen Bedarf an geeigneten Anwärtern für Lastwagenchauffeure. Turi bestand die Prüfung, was ihm später ermöglichte, die Rekrutenschule bei den Motorwagenfahrern zu absolvieren. Darüber war er sein ganzes Leben lang sehr stolz.

Lohn und Alltag

Es lässt sich heute schwer herausfinden, wie hoch Turis Stundenlohn als Lehrling gewesen war, jedenfalls weniger als einen Franken. Der Lohn wurde zweiwöchentlich am Samstag ausbezahlt, vom Lehrmeister in einem gelben Papiersäcklein persönlich übergeben. Turi erinnerte sich gut daran, wie die Frauen am Zahltag jeweils am Fabriktor standen, um den Lohn ihres Mannes gleich abzufangen, bevor die Männer in die nahe Wirtschaft gingen. Turi hatte sich geschworen, dass es in seiner späteren Ehe nie so weit kommen soll. Seiner Mutter legte er stets sein Zahltagsäckli ungeöffnet auf den Küchentisch, so wie es sein Vater immer getan hatte. Dann bekam er von ihr sein Taschengeld, womit er knapp bis Ende Monat über die Runde kam. Oft musste er seine älteren Schwestern um einen Zuschuss bitten.

Man konnte damals mit einem Fünfzigrappenstück in den Ausgang gehen: Ein Becher Bier kostete 45 Rappen plus 5 Rappen Trinkgeld.


Mai 2024 – Aus der Erinnerung aufgeschrieben von seiner Frau Ruth Staub

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